Übergeordnete Seiten: ← Startseite ← "Portal Fotografie" ← "Fotokurs":


6. 2. 2. Weitwinkelobjektiv

Für das Kleinbildformat (siehe Kapitel 2. 1. 1. "Bildformat") von 24 mm x 36 mm werden Objektive mit Brennweiten von 20 mm  bis 40 mm  als Weitwinkelobjektiv bezeichnet.
Extrem kurze Brennweiten werden auch Froschauge, Fischauge beziehungsweise Fisheye genannt.

Der Bildwinkel (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften") liegt im Mittel bei 70° und entspricht dem des umherschweifenden Auges.
Damit bildet das Objektiv mehr Bildfläche ab als das Normalobjektiv.

29 mm
Bild vergrößern


Seine Stärken beweist das Weitwinkelobjektiv:
- bei der Reportage,
- bei Durchblicken und Ausblicken,
- beim Schnappschuß,
- bei Innenaufnahmen und sonstiger Raumknappheit
- und bei Aufnahmen für die Architektur.


Das Weitwinkelobjektiv gilt als "geschwätziges" Objektiv. Es schmuggeln sich schnell "Fremdkörper" ins Bild, wenn der Fotograf im Sucher nicht vor der Aufnahme peinlichst genau nach möglichen Störenfrieden sucht.

Fehlerquellen.
Bild vergrößern


Es ist wichtig, die Wirkung des Objektivs zu kennen.

Durch die geringe Aufnahmeentfernung entstehen beim "Kippen" der Kamera aus dem Lot zum Aufnahmeobjekt Verzerrungen, die als "stürzende Linien" bezeichnet werden.


Stürzende Linien.
Bild vergrößern

Um dem Problem völlig zu entgehen, muß die Kamera konsequent lotrecht zum Aufnahmeobjekt gehalten werden. Wenn möglich, ist die Aufnahmehöhe (siehe Kapitel 12. 2. ) also Richtung Mittelpunkt des Objektes zu korrigieren.

Stürzende Linien.
Bild vergrößern


Gewarnt sei dabei vor dominanten Himmelsflächen, die einer richtigen Belichtung überaus schaden können.

Entscheidet man sich bei der Wahl des Motivs, das Format des Fotos zu ändern, also zu beschneiden oder ein Dia (siehe Kapitel 9. 3. 1. 2. 2. "Umkehrfilm") abzukleben (zu maskieren), kann man beruhigt redundante Bildbereiche mit aufnehmen.


Urformat.leerFormat beschnitten.
Bilder vergrößern


"Motivhasche" kann man Fotos mit dem Weitwinkelobjektiv nennen, die zum bloßen Abbilden sehr großer Objekte wegen zu wenig möglicher Aufnahmeentfernung den Einsatz günstigerer Brennweiten ausschloß und Gestaltung auch nicht mehr zuließ.
Solch ein Foto wird lediglich informativen Charakter tragen, der allerdings (in einer Serie) nicht zu unterschätzen sein sollte.

Motivhasche.
Bild vergrößern


Günstiger ist es, die stürzenden Linien im Foto dominant einzusetzen, die Kamera bewußt zu kippen, um Linien brachial stürzen zu lassen, also mit Diagonalen gestalterisch zu spielen.

Getaltet.
Bild vergrößern



Weil Vordergründe verzerrt abgebildet werden, hat das Weitwinkelobjektiv für die Fotografie von Personen lediglich karikaturistische Wirkung.


Porträt.leerPorträt.
leer
Bilder vergrößern


Es ist bekannt, daß ein Objektiv unendlich1) weite Objekte in einem Abstand von der Bildebene scharf zeichnet, der gleich der Brennweite ist (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften"). Bei kurzen Brennweiten (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften"), also im Weitwinkelbereich, kann es also bei Spiegelreflexkameras theoretisch zu Kollisionen mit dem Klappspiegel (siehe Kapitel 2. 2. 2.) kommen, weil das Objektiv zu weit in die Kamera hineinragt. Dabei wird der Abstand zwischen Bildebene (siehe Kapitel 2. 2. 1. "Bildebene und Filmtransport") und dem ersten optischen Element des Objektivs als Schnittweite bezeichnet. Die mittig zwischen beiden Hauptlinien h und h' (siehe Kapitel 6. 1. 2. "Linsen und Linsensysteme") liegende Mittellinie habe ich hier zur Veranschaulichung mit h0 benannt.

Grafik.


Um die zu kurze Schnittweite bei gleicher Brennweite (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften") zu verlängern, wurde die sogenannte Retrofokusbauweise2) entwickelt, die durch Kombination von Zerstreungs- und Sammellinsen einen rückgesetzten Brennpunkt erwirkt, wodurch die Schnittweite sogar größer als die Brennweite sein kann. Anhand der mit h0 bezeichneten Mittellinie lassen sich die Geometrien der beiden Grafiken miteinander vergleichen.

Grafik.


Sehr kurze Brennweiten (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften"), also die sogenannte Fischaugenobjektive, bewirken eine extrem tonnenförmige Verzeichnung (siehe Kapitel 6. 7. 1. 5.), um große Bildwinkel (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften") zu erreichen. Winkel um 180° und größer bedingen regelrecht eine solche Verzeichnung (siehe Kapitel 6. 7. 1. 5.).
Gestalterisch entstehen dadurch erweiterte Möglichkeiten.

Bei derart großen Bildwinkeln (siehe Kapitel 6. 2. "Eigenschaften") besteht die Gefahr von Randlichtabfall (siehe Kapitel 6. 7. 4. "Helligkeitsverteilung"), der zum einen durch Verlauffilter (siehe Kapitel 7. 5. 5. 1. "Grau-, Halbgrau- und -verlauffilter") korrigiert werden kann. Diese speziellen Center-Verlauffilter sind am Rande durchsichtig und nehmen in der Dichte zur Bildmitte hin zu, was insgesamt zu einem Lichtverlust führt.
Zum anderen gibt es in der Digitalfotografie (siehe Kapitel 9. 1. 2. "Elektrisches System") Software zur Korrektur, die dem jeweligen Objektiv angepaßt ist.
Randlichtabfall (siehe Kapitel 6. 7. 4. "Helligkeitsverteilung"), der durch die Pupillenaberration (siehe Kapitel 6. 7. 4. "Helligkeitsverteilung") entsteht, kann durch einen speziellen Objektivaufbau theoretisch sogar soweit kompensiert werden, daß es an den Bildrändern heller als in der Bildmitte wird.


1) unendlich: diese Entfernung entspricht der 1000fachen Brennweite des verwendeten Objektivs
2) retro: Lateinisch für rückwärts oder zurück und focus: Lateinisch für Feuerstätte oder Herd; also Retrofocus: frei übersetzt also als rückwärtiger Brennpunkt

leer
Valid XHTML 1.0 StrictleerValid CSS!leer

leer
pinurch