6. 2. 8. Tilt- und Shift-Objektive
Diese speziellen Objektive gestatten es, sich gegenüber der Bildebene neigen, also tilten1), oder rechtwinklig zur optischen Achse verschieben, also shiften2), zu lassen. Weil diese Objektive im Vollkreis drehbar sind, werden Neigungen und Verschiebungen in alle Richtungen
möglich.
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| Objektiv getiltet |
Objektiv geshiftet |
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch "Point of Sale Verlag".
Physikalisch betrachtet ergeben sich folgende Strahlengänge:
Die Neigung, also das sogenannte Tilten, bewirkt optisch eine Neigung der Schärfenebene, die bei anderen Objektiven immer senkrecht zur optischen Achse liegt.
Durch diese Möglichkeit, die Schärfenebene im Motiv, beispielsweise von Vordergrund zu Hintergrund, anzupassen, läßt sich die Schärfentiefe (siehe Kapitel 4. 2. 3. "Blende - Schärfentiefe") erhöhen.
Bei optimaler Tilt-Einstellung zeigt folgendes Foto mit einem Blendenwert (siehe Kapitel 4. 2. 1. "Belichtungszeit - Blende") von 3,5 Schärfe in
seiner gesamten Tiefe:
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Das Ergebnis einer solchen Tilt-Einstellung zeigt folgendes Foto:
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| Diese Technik der Schärfedehnung wird nach ihrem Begründer Scheimpflug
benannt. Sie ist keine Alternative zur Bestimmung der Schärfentiefe
(siehe Kapitel
4. 2. 3. "Blende - Schärfentiefe") mit Hilfe der Blende (siehe
Kapitel
2. 2. 5.), sondern erlaubt es, die Schärfenebene, die bei starren
Objektiven immer parallel zur Bildebene liegt, im Rahmen der Verstellmöglichkeiten
des Objektivs beliebig im Raum zu positionieren und so dem Motiv anzupassen. |
Mit dem Verschieben, also dem sogenannten Shiften, ist es möglich, störende "stürzenden Linien" (siehe Kapitel
6. 2. 2. "Weitwinkelobjektiv") zu eliminieren.
Physikalisch betrachtet ergeben sich folgende Strahlengänge:
Zunächst wird auf einem Stativ (siehe Kapitel 17. 1.) die Kamera lotrecht zur Schärfenebene des Motivs ausgerichtet. Ist das Objektiv in Grundstellung, wird das Motiv in der aus dem Bild ragenden Achse zunächst abgeschnitten.
Nun kann das Objektiv in Richtung eben dieser Achse so weit verschoben werden, bis das Motiv völlig erfaßt wird und die "stürzenden Linen" (siehe Kapitel 6. 2. 2. "Weitwinkelobjektiv") kompensiert sind. |
Folgendes Foto zeigt eine Aufnahmesituation mit einem konventionellem Objektiv, bei dem natürlich "stürzenden Linen" (siehe Kapitel 6. 2. 2. "Weitwinkelobjektiv") auftreten müssen:
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Folgendes Foto zeigt die Aufnahme mit einem konventionellem Objektiv, das allerdings im Lot zu Gebäude ausgerichtet wurde, demnach fehlen bildwichtige Elemente:
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Erst, wie im folgenden Foto gezeigt, ist bei vertikaler Shift-Verstellung ein Foto ohne "stürzende Linen" (siehe Kapitel 6. 2. 2. "Weitwinkelobjektiv") zu bewerkstelligen:
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Wer beispielsweise vorwiegend Porträt- oder Sachaufnahmen anfertigt und mit Schärfentiefen (siehe Kapitel 4. 2. 3. "Blende - Schärfentiefe") experimentieren möchte, wird längere Brennweiten und die Tiltfunktion bevorzugen.
Für Architektur- oder Landschaftsfotografie eignen sich allerdings Weitwinkelobjektive mit einer Shiftfunktion besser. |
1) tilt: Englisch für Neigung oder schiefe Lage
2) shift: Englisch für verschieben
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