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9. 4. 2. 4. Elektronische Bildbearbeitung


In Abgrenzung zur Bildverarbeitung (EBV), die Bearbeitungsprozeduren zur Bewahrung aller möglichen Ursprungsdaten umschreibt, stellt die Bildbearbeitung eine Veränderung von Fotos dar.
Wie auch schon bei der klassischen Arbeit mit Filmmaterialien (siehe Kapitel 9. 1. 1. "Chemisches System") sind in der digitalen Fotografie (siehe Kapitel 9. 1. 2. "Elektrisches System") die nachträgliche Bearbeitung auf elektronischem Wege legitim oder sogar wichtig.

Zunächst ist an Bildveränderungen im fotografischen Sinne alles erlaubt, was beim Umgang mit Filmmaterial (siehe Kapitel 9. 1. 1. "Chemisches System") üblich ist und war.

Zum Einen sollte also ein sauberes Foto vorliegen, das abbildet, was dem Motiv abzuringen war.
Wenn bereits vor der Fotografie der weitere Verwendungszweck feststeht und beispielsweise nur ein bestimmter Ausschnitt des Fotos gezeigt werden soll oder das Foto zur weiteren Verarbeitung für bestimmte Darstellungen angefertigt wird, ist es ratsam, diese Einstellung mit Obacht vorzunehmen.

Zum Anderen ist ein Foto mit künstlerischem Ausdruck wirklich nur von Wert, wenn die Vorlage tatsächlich stimmig abgebildet wurde.

Es ist nicht sonderlich schicklich, an Fotografien Korrekturen vorzunehmen, die im Motiv übersehen wurden.
Das betrifft beispielsweise den falschen Aufnahmestandpunkt, von dem aus Fotos schief aufgenommen oder Störenfriede (siehe Kapitel 6. 2. 2. "Weitwinkelobjektiv") gezaubert werden, sowie eine gravierende nachträgliche Ausschnittsveränderung, die dem Fotografen nicht gerade einen guten Blick für das Motiv attestiert.
Der Beweis für einen sicheren Blick für das Motiv ist immer ein unverfälschtes Originalfoto, das meistens an den EXIF-Daten (siehe Kapitel 9. 4. 2. 3. "Speicherprozeß") zu erkennen ist.

Geübten Fotografen sei es aber durchaus gestattet, die Bildbearbeitung einzusetzen, um Unzulänglichkeiten zu beseitigen, die der eingesetzten Technik oder ungünstigen Arbeitsbedingungen geschuldet und nicht aus Versehen passiert sind. Das betrifft unter anderem Unschärfen, Kontrastmangel, Bildrauschen (siehe Kapitel 9. 2. 5. 2.), Rote-Augen-Effekte (siehe Kapitel 10. 2. 4. 6. 3. "Vorblitz (Red-Eye-Reducation)"), Bildverzeichnungen (siehe Kapitel 6. 7. 1. 5.) oder dergleichen. Darüber hinaus ist es üblich, Fotos etwas unterzubelichten, um bei der Nachbearbeitung einen größeren Spielraum zu haben.

Korrekturen wie Schwarz-Weiß-Modus oder Sepia beispielsweise sind in der nachträglichen Bildbearbeitung oft sauberer zu erreichen als bei einer der möglichen Voreinstellungen einer Kamera. Diese kamerainternen Voreinstellungen bewirken lediglich eine Reduktion der Farbtiefe, von der man nicht wissen kann, wie sie sich auf die gesamte Bildqualität auswirkt. Oft ist es auch nicht unbedingt dem Motiv anzusehen, wieviele Farben es wirklich zu seiner wirkungsvollen Ansicht braucht.
Außerdem sollte mindestens semiprofessionell etablierten Bildbearbeitungsprogrammen mehr getraut werden als integrierter Software von Kameras bis hin zum mittleren Preissegment.
 
Dateien, die im RAW-Format (siehe Kapitel 9. 4. 2. 3. "Speicherprozeß") vorliegen, sollten mindestens in dem Zeitraum, zu dem Bearbeitungssoftware dafür zur Verfügung steht, in ein übliches und zukünftig möglicherweise verfügbares Dateiformat (siehe Kapitel 9. 4. 2. 3. "Speicherprozeß") gewandelt werden, weil sie sonst verloren sein können.
In solch einem Format werden Fotografien nahezu unverfälscht gespeichert und dienen der "digitalen Entwicklung" am Computer, also deren Korrektur.



HDR (High Dynamic Range, hoher Dynamikumfang)

Es ist erstaunlich, was die Filmindustrie trotz rückläufiger Absätze an Umkehrmaterial (siehe Kapitel 9. 3. 1. 2. 2. "Umkehrfilm") bezüglich des Kontrastumfangs (siehe Kapitel 9. 2. 4. "Belichtungsumfang") noch anbietet.
Digitale Fotografien mit durchaus üblichen 256 Helligkeitsstufen, also 8 Bit, werden als Low Dynamic Range Images oder LDR-Bilder bezeichnet.
Aufgrund der Tatsache, daß die Digitalfotografie im 12. Jahr dieses Jahrtausends teilweise noch unbefriedigend ist und der Qualität von Umkehrfilm (siehe Kapitel 9. 3. 1. 2. 2.) dem entsprechend hinterher zu eilen scheint, gibt es verschiedene HDR-Techniken, mit denen sich ein High Dynamic Range Image (Bild mit hohem Dynamikumfang) erzeugen läßt.

Der Kontrastumfang (siehe Kapitel 9. 2. 4. "Belichtungsumfang") ist kameraimmanent begrenzt. Es besteht aber der Wunsch nach wirklichkeitsnahen Abbildungen.
Vorlage für ein HDR-Bild kann die direkte Aufnahme mit einer Kamera sein, die einen höheren Kontrastumfang (siehe Kapitel 9. 2. 4. "Belichtungsumfang") verarbeitet, oder eine Reihe von zwei oder mehr Fotografien, deren Belichtungen der jeweils detailbezogenen Leuchtdichte (siehe Kapitel 3. 6. "Fotometrische Einheiten") angepaßt wird.

Darauf basierend wird synthetisch mittels Computertechnik ein Hochkontrastbild hergestellt, das die in der Realität vorkommenden großen Helligkeitsunterschiede detaillierter darstellt.
Das geschieht durch Kombination aller einzelnen Kontrastzonen eines Motivs in einem neuen Bild zum Zwecke einer besseren Durchzeichnung in den verschiedenen Helligkeitsbereichen.
Dadurch gehen eventuell herkömmlichen Merkmale einer technischen Wirklichkeitsabbildung verloren und damit oft auch der ursprüngliche Eindruck des Motivs in der menschlichen Wahrnehmung. Es kann also durchaus ein surrealistisches Produkt entstehen, das dem eigentlichen Anliegen der Fotografie nicht mehr entspricht.

Soll ein HDR-Foto auf Basis mehrerer Fotografien hergestellt werden, ist die Anpassung an die Lichtverhältnisse über die Variation der Belichtungszeit (siehe Kapitel 4. 2. 1. "Belichtungszeit - Blende") vorzunehmen. Wird nämlich über die Blendenzahl (siehe Kapitel 4. 2. 3. "Blende - Schärfentiefe") korrigiert, variiert auch die Schärfentiefe (siehe Kapitel 4. 2. 3. "Blende - Schärfentiefe") in den später einzelnen Bildbereichen. Obendrein sollten alle Einzelbilder möglichst deckungsgleich sein.


Belichtung auf dunkle Werte eingestellt   Belichtung auf helle Werte eingestellt
Dunkler Bereich.   Heller Bereich.
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Errechnetes HDR-Foto
HDR.


Die Wiedergabemöglichkeit eines HDR-Fotos ist vom Medium abhängig und überwiegend eingeschränkt.
Aufgrunddessen müssen solche Fotos durch Reduzierung der Helligkeitsunterschiede in LDR-Bilder umgewandelt werden.
Durch diese Dynamikkompression, im Englischen als "Tone Mapping" oder "Tone Reproduction" bezeichnet, können, basierend auf HDR-Bildern, Fehlbelichtungen vermieden, die Durchzeichnung besser erhalten und weitere Bildbearbeitungen vorgenommen werden.



Bildmontage

Fotomontagen haben zum Ziel, auf kreativem Wege ein neues Bild zu schaffen. Die Beweggründe sind unterschiedlich, ebenso die verwendeten Techniken, die sich aber überwiegend des Zusammensetzens von Bildteilen bedienen, um mit dem neuen Bild eine neue Aussage oder Wirkung zu erarbeiten.

Folgendes Bild wurde aus 32 Einzelaufnahmen montiert:

Panorama.
Zur Großansicht

Weit verbreitet ist die Schaffung unterschiedlicher Panoramen aus Einzelfotos, bei denen nacheinander aufgenommene Einzelfotos vorwiegend nebeneinander montiert werden. Dabei ist jedes Foto mit den Belichtungswerten der Gesamtsituation aufzunehmen.

Für solche Montagen stehen sogenannte Stitch-Programme zur Verfügung, die allerdings nicht immer sicher das leisten können, was in mühevoller Handarbeit zu erledigen ist.
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