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9. 5. Bildformat


Es ist nahezu haarsträubend und regelrecht beleidigend für anspruchsvolle Fotografen, die ihr Motiv bildfüllend gestalten, was ihnen als Ergebnis ihres Fotos in Form eines Papierfotos (siehe Kapitel 9. 3. 1. 4.) von diversen Kopieranstalten geliefert wird.
So kostet es also einige Mühe, tatsächlich die Abbildung des eigentlichen Fotos mit allen Bildinhalten in den Händen zu halten.

Eine relativ zuverlässige Ausnahme bietet das Diapositiv (siehe Kapitel 10. 3. 2. 2. "Umkehrfilm"), dessen Ausgangsformat von 24 mm x 36 mm durch Rahmen (siehe Kapitel 14. 1. 1. "Durchsichtiges Material") konstant auf 22,8 mm x 34,9 mm, in der Höhe also um etwa 5 % und in der Breite um 3 %, verringert wird.

Hinzu kommt die Problematik des 4:3-Formats, das, angepaßt an klassische Monitorformate, verschiedene Digitalkameras verwenden.
Vollkommen überflüssiger Weise schleichen sich inzwischen auch Hersteller auf den Markt, die sich mit ihren Digitalkameras an gar keine Formatkonventionen mehr halten (siehe Kapitel 2. 1. 1. "Bildformat").

Um den möglichst kompletten Bildinhalt von einer Kopieranstalt tatsächlich qualitativ hochwertig zurück zu bekommen, bedarf es einiger Vorinformationen und Kenntnisse in der digitalen Bildaufbereitung sowie Mühen bei der Auftragserteilung.

Traditionell werden die Papierformate 9 cm x 13 cm, 10 cm x 15 cm, 13 cm x 18 cm und 20 cm x 30 cm sowie größere Formate gehandelt.
Die Bildhöhe (im Querformat) bekommt man fast ausnahmslos maßhaltig angeboten.

angegebene Höhe
[cm]
gehandelte Höhe
[cm]
Reale Höhe
[Zoll]
Höhe bezogen auf
reale Höhe [mm]
  9   8,9 3,5   88,9
10 10,2 4 101,6
11 11,4 4,5 114,3
13 12,7 5 127,0
20 20,3 8 203,2
30 30,5 12 304,8
40 40,6 16 406,4
50 50,8 20 508,8


Über Jahrzehnte scheint sich nun bezüglich der Bildlängen ein Schwachsinn eingebürgert zu haben, den sich alle Fotografen offensichtlich bisher bieten ließen.

In folgender Tabelle sind passend zur Bildhöhe verschiedene Längen aufgezeigt:

Format
[cm]
reale Höhe
[cm]
gehandelte Längen
Format 2:3 [cm]
erforderliche Länge1)
für Format 2:3 [mm]
  9 x 13   8,89 12,7 ... 13,3 13,34
10 x 15 10,16 13,6 ... 15,2 15,24
11 x17 11,43 17,1 ... 17,4 17,15
13 x 18 12,70 17,8 ... 19,0 19,05
20 x 30 20,32 30,5 30,48
30 x 45 30,48  45 ... 45,7  45,72
40 x 60 40,64 60,5 ... 60,9 60,96
50 x 75 50,80 75,5 ... 76,2 76,20
1) bezogen auf reale Höhe (obere Tabelle)


Die Bildlängen haben also je nach Anbieter deutliche Abweichungen, und man sollte sich vor der Kopie erkundigen, welche Formate tatsächlich angeboten werden.
Kopieranstalten, die mit den rot unterlegten Bildlängen arbeiten, sollte man strikt boykottieren oder Klartext reden! Gelb unterlegte Längen zeigen im Querformat einen zu vernachlässigenden Bildbeschnitt rechts und/oder links.


Die "Ungenauigkeit" der Maße hängt damit zusammen, daß die Maßeinheit Zoll zugrunde liegt, wobei 1" (Zoll) gleich 25,4 mm sind, bevorzugt in ganzen Schritten, seltener in ½"-Schritten oder gar ¼"-Schritten, gestückelt und das Papier in diesen Maßen geschnitten geliefert und verarbeitet wird.
Folgende Tabelle zeigt die maßlichen Relationen mehr oder weniger üblicher Kantenlängen:

Nennmaß Zoll Istmaß [cm]
9 8,89
10 4 10,16
11 11,43
13 5 12,70
15 6 15,24
17 17,15
18 7 17,78
19 19,05
20 8 20,32
30 12 30,48
40 16 40,64
45 18 45,72
50 20 50,80
60 24 60,96
70 28 71,12
75 30 76,20
100 40 101,60

Die angegebenen Maße sind derzeit gebräuchlich, lassen aber nicht auf die Verwendung von Papieren aller Kopieranstalten schließen!


Trotz zölliger Bezugsmaße können eigentlich alle Seitenverhältnisse dem Fotoformat entsprechend nahezu ohne Bildverlust erreicht werden, demnach ist es höchst zweifelhaft, wieso einige Kopieranstalten Fotografen um Bildinhalte regelrecht betrügen.



Im Format 13 cm x 18 cm ist die Bildhöhe überwiegend auf 12,7 cm begrenzt, die Bildbreite schwankt zwischen manchmal gar weniger als 17 cm bis zu mehr als 19 cm, wenn Kopien vom Kleinbildnegativ (siehe Kapitel 2. 1. 1. "Bildformat") 24 mm x 36 mm bestellt werden.

Die folgenden Fotos stammen von Sylvia Rohr und wurden vom Kleinbildnegativ (siehe Kapitel 2. 1. 1. "Bildformat") auf Format 13 cm x 18 cm (real 12,7 cm x 17,8 cm) ausbelichtet.

Ohne Beschnitt. Mit Beschnitt.
Bei diesem Foto wurde darauf geachtet, daß das Bild in seiner gesamten Breite, also ohne Randbeschnitt, ausbelichtet wird.
Weil das Papierformat nun eben nicht exakt dem Verhältnis 2:3 entspricht, entstehen die weißen Ränder.
Dieses Foto ist entsprechend seiner Höhe auf die Papierhöhe angelegt.
Weil nun auch hier das Seitenverhältnis nicht dem des Negativs entspricht, wird das Bild rechts und links beschnitten.


Das sind die typischen Fotos, bei denen im Hochformat entweder "Kopf oder Füße" fehlen.

Heutzutage werden Fotos vorwiegend maskiert kopiert, was bedeutet, daß rundherum ein gewisser Beschnitt bestehen bleibt.
Im Querformat ist diese Maskierung vertikal nicht zu korrigieren, wohl aber horizontal.
So ist es bei manchen Anbietern möglich, tatsächlich das Motiv mehr links oder mehr rechts ausrichten zu lassen.


Soll beispielsweise eine Galerie wie die "(Frühjahr 2007) Teilnehmerarbeiten 'Südfriedhof'" gestaltet werden, ist es unter Umständen wichtig, 4:3-Formate dem 2:3-Format anzupassen, wenn der überwiegende Teil der Fotos in diesem Format vorliegt.

Nehmen wir dieses Foto von Katja Kunath als Beispiel. Es wurde im 4:3-Format aufgenommen und ist in seinen Proportionen völlig stimmig, das Bild zu verändern also ziemlich waghalsig.
Dieses Foto unsensibel in ein 3:2-Format zu pressen, ist völlig indiskutabel; hier sind derart veränderte Proportionen deutlich zu sehen:

Original 4:3. Verändert in 2:3.
Das ist also das Foto im Originalformat 4:3. Hier ist es verändert in ein 2:3-Format zu sehen.


Um das Foto in der genannten Galerie den 2:3-Formaten der Zeile in der Höhe anzupassen, mußte es "verlängert" werden.
Dieser eigentlichen Gewaltkur kam positiv entgegen, daß die meisten vorliegenden Fotos sträflicherweise eine maximale Bildlänge von 17,85 cm hatten.

Freigestellt. Skaliert.
Zur möglichst unauffälligen Formatanpassung wurde dafür das Foto innerhalb der hier aufgelegten Maske (hellgrau angedeutet) freigestellt, also schon in der Höhe etwas eingeschränkt. Anschließend wurde dieses Foto durch Skalierung2) auf das Format 12,7 cm x 18 cm gebracht, also etwas verbreitert.
Somit ist die Bildskalierung2) weniger auffällig als im vorherigen Beispiel.


Hier also noch einmal im Vergleich das ursprüngliche Foto (links) und das bearbeitete Foto (rechts):

Original. Bearbeitet.


Im Gegensatz zur oberen Formatänderung sieht man hier die Korrekturen kaum noch.


Inzwischen bieten verschiedene Labore die Möglichkeit, die Bildlänge passend zur Bildhöhe dem gewünschten Format entsprechend zu variieren und auf die sich daraus ergebende Länge zu schneiden.
Dadurch wird das Ausgangsformat ziemlich nebensächlich.

Das sind beispielsweise die variablen Bildlängen eines Labors:


Format
[cm]
Bildlänge
[cm]
  9er   9 ... 16
10er 10 ... 18
11er 11 ... 20
13er 13 ... 23
20 x 30 20 ... 30,5
30 x 45 30 ... 45,7
40 x 60 40 ... 60,9
50 x 75 50 ... 76,2


Die Seitenverhältnisse beginnen bei einem Verhältnis von 1:1 und reichen je nach Anbieter bis zu einem Verhältnis von 2:3 oder noch größeren Bildlängen.


Offensichtlich ist es aber aufgrund technisch bedingter Fertigungstoleranzen nicht möglich, immer pixelgenau zu belichten, was wiederum bedeutet, daß das Bildformat je nach Leistungsvermögen der Kopieranstalt um bis zu 3 mm pro Bildseite unabhängig von der Bildgröße variieren kann.

Kopieranstalten, die allerdings nur eine Schneidetoleranz von 5 mm bis 7 mm an jeder Bildseite unabhängig vom Bildformat gewährleisten, rate ich, zu meiden.
Es sollten Anbieter bevorzugt werden, die rundherum eine Schnittbreite von maximal 2 % der jeweiligen Bildgröße gestatten.


Um nun umlaufend vernünftige Schnittbreiten garantieren zu können, nutzen viele Anbieter eine sogenannte Überprojektion3), die je nach Bildgröße eine Skalierung2) auf etwa 101,5 % bis 103 % bedeuten kann, also eine Vergrößerung des Bildes um 1,5 % bis 3 %.

Folgendes Foto fertigte Katrin Götzke, und es wurde auf ein Format von 12,7 cm x 18 cm angelegt:

Original. Theoretischer Abzug. Überprojektion.
Das ist also das ursprünglich angelegte Foto.

Eigentlich war es auch als Papierfoto (siehe Kapitel 14. 1.) so zu erwarten.
Nun wurde allerdings nicht das Format 12,7 cm x 18 cm geliefert, sondern nur ein kleineres Format von 12,7 cm x 17,85 cm.
Das Foto hätte zwar einen kleinen Verlust in der Höhe hinnehmen müssen, was aber noch zu verkraften gewesen wäre.
Durch eine Überprojektion3) von etwa 1,5 % geht der Bildverlust nun so weit, daß oben der Kopf angeschnitten ist und der rechte Kopf den Bildrand berührt.


Es ist ratsam, wichtige Bilddetails nicht so dicht an die Bildkanten zu legen.

Auch schon in der Bildvorlage des gezeigten Fotos sind diese Abstände derart gering, daß dadurch tatsächlich schon optisch ein Rahmen um das Motiv fehlt, der mehr auf das Motiv konzentrieren würde.


Anbietern wie Fotolabors sei an's Herz gelegt, die digitale Bildvorbereitung derart eindeutig zu beschreiben, daß der Kunde schon vorher genau weiß, wie er seine Fotos aufbereiten muß, um tatsächlich den Auftrag wunschgemäß zurückzubekommen.

In der Summe aller Anbieter existiert ein Wust von Erläuterungen und "Kochbüchern", die eher auf Unsicherheit als auf Sachkenntnis schließen lassen.
Ebenso scheint auch das Personal einschlägiger Anstalten oft nicht über die Fotoverarbeitung im eigenen Hause Bescheid zu wissen, denn die Auskünfte sind nach meinen Erfahrungen oft enttäuschend dürftig.


Um testen zu können, in welchen Abmessungen Labore die Fotos zurück liefern, habe ich Testbilder entwickelt, auf denen man die Maße überprüfen kann.
Diese Vorlagen können dem Labor in digitaler Form mit der richtigen Formatbestellung übergeben werden, um diese Bilder als Papierfoto (siehe Kapitel 14. 1.) zu erhalten.
Anhand der Resultate läßt sich feststellen, wie die betreffende Kopieranstalt die Bildvorlagen verändert.

Testfoto.

Testbilder zum Herunterladen: Bild für  9 cm x 13 cm ( 8,89 cm x 13,34 cm; 246 KB)  
Bild für 13 cm x 18 cm (12,7 cm x 19,05 cm; 322 KB)  


2) Skalieren: Anpassen einer Grafik an eine bestimmte Darstellungsfläche
3) Überprojektion: Um die zu belichtende Fläche durch das Motiv vollständig abzudecken, wird das Motiv über die Ränder des Fotopapiers hinaus belichtet.


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